Fragen zu Transsexualismus

18-05-2026

In Anlehnung an die aktuelle S2k-Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie im Kindes- und Jugendalter“ (AWMF-Registernummer 028-014) sowie die pädiatrische Praxis, finden Sie hier 10 zentrale Fragen zur Diagnostik und Therapie:

Diagnostische Voraussetzungen

1. Persistenz: Die Geschlechtsinkongruenz muss stabil und über einen längeren Zeitraum (meist mindestens 6 Monate) bestehen.

2. Leidensdruck: Es muss eine klinisch relevante Geschlechtsdysphorie vorliegen, die durch die körperlichen Merkmale des Geburtsgeschlechts verursacht wird.

3. Differenzialdiagnostik: Andere psychische Ursachen für die Identitätsunsicherheit müssen ausgeschlossen oder im Rahmen der Gesamtbehandlung mitberücksichtigt werden. [1, 3, 4, 5, 6] 

Therapeutische und Fachliche Voraussetzungen

4. Psychotherapeutische Begleitung: In der Regel ist eine begleitende Psychotherapie erforderlich, um die Identitätsfindung zu stützen und die Belastbarkeit für die Transition zu prüfen.

5. Indikationsstellung: Ein fachärztliches Indikationsschreiben (meist aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie) ist notwendig, das die Notwendigkeit der Hormongabe bestätigt.

6. Pädiatrisch-endokrinologische Abklärung: Wir als spezialisierte Kinderendokrinologen müssen die körperliche Eignung feststellen, den Pubertätsstatus (Tanner-Stadien) prüfen und über Risiken (z. B. Fruchtbarkeit) aufklären und die Therapie überwachen.

Rechtliche und Ethische Voraussetzungen

7. Einwilligungsfähigkeit: Der/die Minderjährige muss über die notwendige geistige Reife verfügen, um die Tragweite und die (teils irreversiblen) Folgen der Therapie zu verstehen (Informed Consent).

8. Zustimmung der Sorgeberechtigten: Da es sich um einen schwerwiegenden Eingriff handelt, müssen in der Regel beide sorgeberechtigten Elternteile zustimmen.

9. Alter: Eine Hormontherapie wird meist erst ab einer fortgeschrittenen Pubertät (oft ab ca. 14–16 Jahren) erwogen, wobei die Einzelfallprüfung der individuellen Reife Vorrang vor starren Altersgrenzen hat. 

 

10. Kostenübernahme

Aktuell ist die Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkasse nicht mehr gegeben,  so dass für jeden Fall eine Einzelfallentscheidung beantragt werden muss. 

Die oben genannten ärztlichen Gutachten sowie der Nachweis einer ausreichenden psychotherapeutischen Vorbehandlung muss eingereicht werden. 

 

11. Therapie: 

Körperliche Auswirkungen

Irreversibel: Stimmbruch (Vertiefung der Stimme), Bartwuchs, Klitorisvergrößerung, männliches Haarmuster (ggf. auch Haarausfall am Kopf).

Reversibel: Zunahme der Muskelmasse, Umverteilung des Körperfetts, Ausbleiben der Menstruation.

Irreversibel: Brustwachstum (Drüsengewebe bildet sich nicht vollständig zurück).

Reversibel: Weichere Haut, Abnahme der Muskelmasse, Umverteilung des Körperfetts (weiblichere Silhouette), Verringerung der Körperbehaarung.

            Fokus: Fertilität (Fruchtbarkeit)  Dies ist das kritischste Risiko bei Minderjährigen:

Einschränkung: Die Gabe von Hormonen kann die Produktion von Samenzellen bzw. Eizellen stark beeinträchtigen oder dauerhaft unterbinden.

 

Besonderheit Pubertätsblocker: Werden Blocker sehr früh eingesetzt und direkt von einer Hormontherapie gefolgt, reifen die Keimzellen nie vollständig aus.

Prävention: Vor Beginn der Therapie wird dringend zu fertilitätserhaltenden Maßnahmen geraten (Einfrieren von Spermien oder Eizellen/Eierstockgewebe), sofern die Reife dafür vorhanden ist.

Medizinische Risiken & Nebenwirkungen

Herz-Kreislauf: Testosteron kann die Blutfettwerte (Cholesterin) verändern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen; Östrogene erhöhen leicht das Thromboserisiko.

Knochendichte: Wenn die Pubertät zu lange blockiert wird, ohne dass Geschlechtshormone (Östrogen/Testosteron) zugeführt werden, kann die Knochendichte sinken (Osteoporoserisiko).

Leber/Niere: Regelmäßige Laborkontrollen sind Pflicht, um Organbelastungen auszuschließen.

Psyche: Hormonschwankungen können zu Beginn Stimmungsschwankungen oder emotionale Labilität auslösen.                                                                                                                 

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Zentrum für Kinder- und Jugendendokrinologie
PD Dr. med. Christof Land
und Dr. med. Saier
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